Ein Abschied nach Generationen: Warum wir die wohnortnahe Versorgung einstellen (müssen)
„Handwerk ist ein Werk der Hand, beseelt vom Herzen und geleitet vom Verstand.“
Dieses Motto begleitete meine Familie über Jahrzehnte. Mein Schwiegervater, Orthopädieschuhmachermeister und leidenschaftlicher Berufsschullehrer, lebte diesen Beruf bis zu seinem 82. Lebensjahr. Das Zunftzeichen auf seinem Grabstein ist für uns Verpflichtung und Stolz zugleich. Wir haben diese Fackel weitergetragen, um kranke Menschen in unserer Region und der Umgebung mit medizinisch notwendigen Maßeinlagen – früher mit unserem Betrieb in Offenbach auch mit Maßschuhen – zu versorgen. Dies geschah oft durch kostenlose Hausbesuche und immer mit dem Ziel, Schmerzen zu lindern und Mobilität zu erhalten.
Doch heute endet diese Tradition.
Nicht, weil wir nicht mehr helfen wollen. Nicht, weil die Patienten uns nicht mehr brauchen. Sondern weil ein bürokratisches System die menschliche Hilfe durch einen digitalen Datensatz ersetzt hat.
Das Paradoxon der Digitalisierung
Als Softwareentwicklerin im Hauptberuf kenne ich die digitale Welt. Ich wäre bereit gewesen, die Abrechnungs-Schnittstellen selbst zu programmieren. Doch das System verlangt keine Logik, sondern Investitionen im fünfstelligen Bereich – für ein Kleinstgewerbe, das nur wenige Einlagen im Monat fertigt. Es ist der Gipfel der Fehlplanung, tausende Euro für Zertifizierungen ausgeben zu müssen, um eine 67-Euro-Rechnung digital einreichen zu dürfen.
Bürokratie vor Sachverstand
In unserem Betrieb (in Düdelsheim) scheiterte die Zertifizierung für Maßschuhe daran, dass ein WC einen einzigen Zentimeter zu hoch hing. Während wir uns auf die Passform komplizierter orthopädischer Maßschuhe konzentrierten, konzentrierte sich das System auf die Zentimeterangaben bei der Einrichtung.
Unsere Konsequenz
Ein deutsches Sozialgericht vertritt momentan die Auffassung, dass eine am Menschen erbrachte Leistung ohne elektronischen Datensatz rechtlich „niemals fällig“ wird. Das bedeutet: Wer hilft, aber nicht digital abrechnet, bekommt kein Geld.
Wir haben uns entschieden, dieses Spiel nicht mehr mitzuspielen.
Wir stellen nun die medizinisch notwendige wohnortnahe Versorgung
zum 03.03.2026
zu Gunsten der medizinisch notwendigen elektronischen Abrechnung ein!
Wir danken unseren Patienten für das jahrelange Vertrauen. Wir bedauern es für unsere langjährigen Kunden nicht mehr da sein zu können. Doch in einem System, in dem „egoistisches Nichtstun“ wirtschaftlich vernünftiger ist als aufopferungsvolle Hilfe, bleibt uns nur der Rückzug mit erhobenem Haupt.
Wir bewahren das Erbe meines Schwiegervaters, indem wir unseren Stolz als Handwerker über die Forderungen eines fehlgeleiteten Systems stellen.
Anschrift:
Fasanenweg 10
63654 Büdingen-Düdelsheim
63654 Büdingen-Düdelsheim
aktuell keine festen Öffnungszeiten, Terminvereinbarung oder einfach nachfragen, ob wir vor Ort sind, unter :
Mobil: 0170 - 52 55 705
Orthopädie-Schuhmacher-Meister-Betrieb

